Unverstanden.

Du siehst mich nicht. Keiner kann meine Schmerzen verstehen. Ich bin Unverstanden.

Es tut weh, nicht verstanden zu werden. Das geliebte Subjekt kann uns hören aber nicht verstehen. Die Worte kommen zwar an, berühren jedoch völlig andere Resonanzkörper. Das Bildnis dass sich das geliebte Subjekt von uns macht, bricht uns das Herz, denn es ist nur sehr oberflächlich und an vielen Stellen falsch. Wir sehen dieses Faksimile vor uns und sehen es unserer eigentlichen Seele beraubt, wie es von dem geliebten Subjekt an Fäden für eigene Zwecke gezogen wird. Einer Puppe gleich spielt man mit uns auf und lässt uns dem anderen so erscheinen, wie er uns haben möchte. Die Worte sind mächtig, denn sie geben dem Bildnis die Bedeutung. Was zurückbleibt ist die Einsamkeit, in der wir uns nun befinden, hinter diesem Bildnis versteckt können wir es nicht fassen, wie das geliebte Subjekt uns so behandeln kann. So lieblos und objektifizierend.

Hinweis: Die folgende Musikauswahl habe ich für mich getroffen. Sie kann daher für dich (den Leser) unpassend zu dieser Struktur erscheinen, da es persönliche Kriterien sind.

Hinter den Spiegeln

Die Menschen machen sich ein Bild von uns. “Der Bösewicht, der Aufdringliche, die Unbelehrbare, die Wiederspenstige, die Narzisstin, der Borderliner, …“. Verschiedene Bildnisse, deren Archetypen den Blick auf das Wesentliche versperren, ja mehr noch: es fühlt sich an, als wäre man im Kontakt mit Aliens oder leeren Automaten, wenn diese Menschen einem auf dieses Bildnis reduzieren und so behandeln als wäre dieses Bildnis das Wesentliche an einem. “Dort agieren die Schatten miteinander: die Menschen und das Bildnis und hier bin ich. Für was braucht man mich noch?” Wir werden als Spiegel verwendet, an dem sich diese Menschen ihre inneren Abspaltungen spiegeln können. Das was sie in sich selbst begraben haben und dass sie in sich selbst hassen, lieben, verherrlichen oder abwerten. Sie finden in dem Bildnis die Möglichkeit diesem verdrängten Anteil einen Ausdruck zu verleihen. Wir befinden uns nun hinter diesem Spiegel und bleiben ungesehen und unverstanden. Wir dürfen nicht erwarten, dass uns die Menschen verstehen werden und verstehen wollen. So sieht es mit der Zeit aus, als wäre man selbst der Schatten und die Leute tun so als wäre der Spiegel ich.

Charles Manson – Black Pirate
Charles Manson – People say i’m no good
Greis – Glücklich

Balance in der Aussätzigkeit

Man findet sich zurecht in der Position der Aussätzigkeit. Hier hat man Raum für sich, den man sich selbst erzeugt. Man kann darauf aufbauen, was die anderen alle an einem falsch erkennen. Das Bildnis gibt einem einen Hebel mit welchem man sich in jene Welt des Nicht-Bildnis katapultiert, denn es hat Substanz, da es durch Worte und Verhaltensweisen der anderen Menschen definiert wurde. Dadurch kann es von uns gebraucht werden, um uns in Sicherheit zu bringen. Man baut dadurch möglicherweise auf einer instabilen Basis auf, denn die Präsenz die man aufbaut ist errichtet auf einem Bildnis, dass sich andere von einem gemacht haben. Man kann es lieb gewinnen, oder es auch durchschauen. Es ist instabil, wenn man es nur als Abbild des Bildnisses sieht, denn dann verliert man den Glauben daran, da man sich selbst nicht mehr glauben kann. Man hat es erschaffen, aber es ist beschmutzt von dem Bildnis der Anderen, denn es ging aus ihm hervor. Dies ist eine aufgeladene Situation.

Charles Manson – Red Snake
Elsiane – Unstable

Unvergeben

Man fühlt sich verstrickt in Bande einer vergangenen Zeit, die unaufgelöst in die Gegenwart wirkt. Kränkungen bewirken langanhaltenden Kummer. Man hat jemanden enttäuscht und seine Spiegel zerstört und fühlt sich dadurch wie ein Verbrecher. Oder man hat etwas getan, dass dazu führt dass man sich selbst verachtet und sich selbst dafür nicht vergeben kann. Diese Situation schafft eine Basis für weiteres Unverständnis, denn man läuft nun durch die Welt mit einer Persona, denn man hat einen Teil von sich nicht befreit, sondern dieser Teil verbleibt dort in der Vergangenheit in der Hoffnung erlöst zu werden. Wenn man anderen Menschen begegnet, ist man nun ein Fragment und erzeugt möglicherweise dadurch Unverständnis und wird aufgrund der halben Präsenz (half-light), anfällig dafür, von anderen als Spiegel missbraucht zu werden.

Metallica – The Unforgiven II
Julee Cruise – Questions In a World of Blue

Suche nach Zukunft

Wir hoffen dass dort Menschen sind, die uns verstehen. Wir suchen nach einem geliebten Subjekt, dass in der Lage ist, das unverstandene Wesen aus der Vergangenheit in das Hier und Jetzt zurück zu holen. Denn es musste dort hinten, in den langen Jahren, zurückbleiben. Sie haben uns nie gesehen, daher blieben wir zurück. Aussicht: Wir müssen vorsichtig sein, dass wir nun nicht versuchen eine andere Person dazu zu bringen uns diesen Kind-Im-Brunnen-Teil in uns zu spiegeln, denn es wäre zu gefährlich dass hierbei wieder eine Konstruktion / ein Bildnis erzeugt wird, dass uns wieder einmal den Blick verstellt. Wir würden hierbei etwas in uns an der anderen Person ausagieren und von der anderen Person dann möglicherweise abgeurteilt und klassifiziert werden. Dennoch ist der Wunsch nach dem Verstanden-Sein wollen in uns da und sehr stark.

Nobody Knows – Elsiane
Tori Amos – Strange Little Girl

Hinweis: Musik ist frei und die hier getroffenen Zuordnungen dienen nur der Unterhaltung und können ein Lied niemals auf nur diese Aspekte festlegen.


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