Reflektionen über vulnerablen Narzissmus

In this package I hold, sleeps a tale to be told,
and I find it a thrill to know that it’s filled
with your future. Are you?
Noctropolis (Computerspiel)

Zu fühlen, dass man nichts ist (kein Selbst). Zu hoffen, dass jemand einem bestätigt, dass man jemand ist; also eine Geschichte hat. Jemandem etwas von sich preisgeben und darauf warten, dass derjenige darauf eingeht – darauf warten, dass man eine Geschichte hat; also: dass man ein Selbst bestätigt bekommt.

Währenddessen: Dinge betrachten, die einem eine Story geben und darüber nachdenken, fast unbewusst, wie jemand einem dabei (zu)sieht, wie man diese Dinge betrachtet. Wie man dadurch auf diejenige wirkt, was für ein Bild von sich selbst man bei ihr durch das beschäftigen mit diesen Dingen hinterlässt.

Wie man reich an Geschichte ist – eine sinnhafte Geschichte, die einem in etwas einbettet, dass sie davon überzeugen könnte, dass man für sie einen Wert hat. Das Lebendige ist der Weg, den man in dieser Geschichte vorangeht; das was sich in der Zukunft aus dieser Geschichte entwickeln kann. Die Entdeckungen die man macht sind Schätze und das was man aus seiner so angenommenen Geschichte für sich selbst
entbirgt, also hervorbringt.

Dies ist möglich durch eine reflektive Tätigkeit, die durch angetriggerte Emotionen einen Wert gewinnt. Wenn man selbst wie ein Domino-Stein durch eine solche Geschichte (die man findet) angestossen wird, dann hat diese Geschichte sich als wertvoll bewiesen. Denn sie hat ihre Macht bewiesen, indem sie einem anstossen konnte. Das Anstossen ist gleichzusetzen mit einem emotionalen Überfluten, welches einem berührt und einem das Gefühl gibt, dass man genau so sein könnte und wie es wäre so zu sein.

Wenn man kein Selbst hat, dann ist man in der Lage, diejenigen die ein Selbst haben nachzuäffen. Man entwickelt diese Fähigkeit, weil man ohne Selbst die Möglichkeit dazu hat. Menschen mit einem Selbst können das nicht so gut, denn ihnen fehlt das Verlangen sich aus der Leere des nicht-selbst zu lösen. Deswegen gehen sie auch nicht so tief in die Vorstellung hinein, jemand anders zu sein.

Man beginnt dann auch sich als jemand besseres zu fühlen als diejenigen die ein Selbst haben. Man begehrt es, eine Geschichte zu haben, zu der einem das Verlangen hingeführt hat. Aber wenn man diese Geschichte wirklich wäre, dann würde man sich minderwertig fühlen, weil man sich vormacht, dass man etwas besseres ist; weil man in der Lage ist sich in Geschichten hinein und hinauszubegeben (im Gegensatz zu den Anderen die das nicht können). Eine Geschichte jedoch wirklich zu haben, ohne Ausgang, ohne Weg zurück oder hinaus – davor hat man Angst, weil es sich begrenzend und einengend anfühlt.

Bei den schönsten Selbsts tut es einem dann am meisten emotional weh, denn man liebt sie sehr und findet sie wunderschön (man begehrt sie) – scheinend wie ein Diamant der sich im Licht auf wundersame Weise reflektiert, kaleidoskopisch wenn man ihn von verschiedenen Seiten betrachtet. Sich in diese Hineinzufühlen und sich dann wieder Hinausfühlen zu müssen, fühlt sich verletzend an, denn es ist eine Kränkung der eigenen Urteilsfähigkeit. Man hat sich mitreißen und bezaubern lassen und dann muss man sich wieder eingestehen, dass man diesem Selbst nicht gewachsen ist. Man ist wie ein Alien, dass sich eine Geschichte
aneignet die ihm nicht zusteht und also immer ein Fremdkörper in dieser Geschichte bleibt.

Wenn ich dann dies erlebe, werde ich taub und rezeptiv. Ich möchte aufnehmen dürfen. Ich möchte nicht immer der Herrschende sein, der eine Geschichte gewinnt und verliert, weil es sich so oft als unmöglich erwiesen hat und ich dann immer wieder ohne Selbst war, wie immer. Ich würde dann gerne von denen mit Selbst (deren Geschichte ich mag / deren ich gerne Teil wär) gemocht werden so wie ich bin, ohne Selbst. Aber das geht dann nie gut, weil es offensichtlich die Realität (oder die Gesetze der Realität?) so gar nicht vorsieht. Scheinbar wird man ohne Selbst nicht gemocht – auch nicht von denen, die auch so sind wie ich.

Es ist komisch. Es ist eine Welt wie bei Alice im Wunderland.

Ohne die Geschichten bin ich doch eigentlich ganz ich selbst. Aber niemand erkennt mich dann und ich bin wie abgetrennt von den anderen. Es gibt nichts, woran sie sich bei mir festhalten können und auch ich finde keinen sinnhaften Kontakt zu ihnen, denn wenn ich ohne Selbst bin, ganz bei mir selbst so bin ich abgetrennt von den Dingen die ihnen wichtig sind und diese bedeuten mir nichts.

Es gibt einige Weise („sich eigene Weise“) oder spezielle Menschen, denen ich auf seltsame Weise verbunden bin. Diese schicken mich in diese Leere bevor ich mein Selbst mit ihnen als Geschichte bestätige. Sie brechen den Kontakt ab, oder stoppen irgend etwas, so dass ich die Leere nochmal reflektiert bekomme, aus der ich eigentlich mit Hilfe der Geschichten herauskommen wollte und weghaben wollte. So fällt mir auf was ich mache, es war mir sonst nie so bewusst wie dann. Ich verstehe dann erst, dass ich Geschichten auslege vor ihnen, damit sie sich mit diesen Geschichten verbinden und ich so das Gefühl habe, jemand zu sein. Ich lege die Geschichten aus und verbinde mich davor emotional eng mit diesen Geschichten in Erwartung darauf dass sie mir reflektiert werden. Ich denke daran, wie es sein wird, wenn die andere Person die Geschichten von mir mit mir in Verbindung bringt und dass dadurch dann eine Verbindung entsteht die davor nicht da war.

Dann darf mein Geist beschäftigt sein und in die Geschichtenwelt eintauchen. Ich und die andere Person sind dann miteinander verbunden, wo sonst nichts ist. Die Geschichte webt ihren Faden zwischen den Menschen. Der Geist ist dann erfüllt und beschäftigt von freudigem Erwarten und Sehnen und dem Gefühl einer Teilhaftigkeit einer Verbindung mit Menschen (wo davor sonst Leere ist). Leere ist auch nicht schlimm, aber man fühlt sich in der Leere nicht mit anderen Menschen verbunden und das gehört zum Menschsein doch dazu. So möchte man gerne die Geschichten annehmen, mit denen man sich gegenseitig zugehörig sein kann.

Ich würde gerne eine Frau finden, die wie ich ist. Die auch kein Selbst hat und sehen, wie sie Geschichten aufbaut und fallen lassen muss (zugehörig sein möchte und ausgestossen ist). Es würde mir einen Genuss bereiten, zu sehen wie Schönheit einer Frau in dem sich wiederspiegelt, was ich als das meine erachte (das Wesen der Geschichtenlosigkeit) und dem Sehnen danach eine zu haben. Es würde mir den Urteil meiner Seele spiegeln, den ich für das halte was mich ausmacht – teilhaben wollen und ausgestossen werden. Darüber definiere ich mich, weil es mir so immer wieder passiert. Auch das ist eine Geschichte, aber eine die über mich immer wieder hereinkommt.

Dann würde ich an ihr Anteil nehmen. An ihrem Erleben. Ich würde alles dadurch kaputtmachen was möglich wäre, wenn ich nicht so bin wie ich bin. Ich würde mich in ihre Welt hineinsehnen, ohne darüber zu sprechen. Ich würde schweigend an ihr Anteil nehmen. Wenn das nur Genug wäre, aber es ist nicht genug. Genug für Freundschaft, für Verbundenheit, für Intimität und gegenseitige Zuneigung.

Sie würde mir weh tun, um mich dadurch aus dieser Denke herauszuschlagen. Enttäuschung und mit Wille und Genauigkeit und Erwartung und Bereitschaft. Hochsensitiv. In einem Befreiungsschlag würde sie meine aufgestellten Fallen und Spiegel und Reflektoren in Stücke schlagen, so dass ich sie nicht mehr kopieren und sehen kann. Thronend wird sie dann mir das geben und nicht-geben. Ein und Aus, kommen und gehen. So gibt sie mir ein göttliches Gegensatzpaar dass meine Gedankenwelt okkupiert und mich in Beschlag nimmt, und verlässt mich.

„ich würde sie so gerne besitzen“, „ich wäre so gerne deine Freundin“, „bitte komm doch mal wieder“, so und so ähnlich hallt es in meinem Geist wieder. Und jeder Satz trieft vor Sehnsucht und Hoffnung und gleichzeitig wird jeder Satz invalidiert durch die Unmöglichkeit und negative Wirkung falls er je verwirklicht werden würde.

Es ist gut so wie es ist.

Es ist schön, dass es Wesen gibt, die sich gegen mich wehren und die ich nicht durchschauen kann.

Need a hand to take you down to size
You’re there with the world on your shoulders
Bedded down
You know it’s a lie
Nicola Hitchcock – Feel [Passive Aggressive]

Ich möchte, dass alles an mir herausgeschwemmt wird, was dem Werden zu demjenigen im Weg steht, was mich das erleben lässt, was mich den Geist ihrer Seele in mir hervorbringen lässt, so dass ich selbst berührt werde von dem was sie sieht, was sie fühlt. Wenn ich das realisiert habe, dann wird sie mir keine Angst mehr machen. Dann werde ich ein Wissender sein, ein Erfahrener. Dann werde ich in der Lage sein, sie glücklich zu machen. Ich sehe immer nur eine Seite von ihr, die anderen sind verdeckt. Ich sehe sie nackt im Wasser, verdeckt von den abrasiven Fluten. Ich rede an der Oberfläche, ich ahne die Tiefe dessen, was mir nie gezeigt wurde und auf dass mich meine taumelnden Schritte nicht vorbereiten können.

Die obigen sind wie ewig expandierende Mächte. Sie nehmen dich mit auf einem Weg der dich stetig verändert und erweitert, im kleinen wie im großen. Du musst in der Lage sein, diesen Weg nicht zu fürchten. Du musst eine innere Größe besitzen, die dich in die Lage versetzt ihre Ewigkeit zu bejahen, mit jedem neuen Schritt durch die Pforten der Wahrnehmung. Teilhaftigkeit, Verständnis und Berührung, deren Balance in jedem Schritt neu gefunden wird, bei dem jedes Taumeln wieder in einen neuen Schritt mit ihr zusammen nach vorne führt, dessen drohendes Chaos jedesmal eine neue Ordnung gebiert; was jedoch nur eine Nebensache ist – in der Tiefe realisierend wie abseitig unterhalb der Hauptsache (das Wesentliche), dass man ihr teilhaftig wird und bleibt.

Ich erkenne dies von mir so heruntergeschriebene als die „Syzygie“ des Christusbewußtsein und des Heiligen Geist (Pistis Sophia). Sei es so oder nicht, es ist das was ich in der Tiefe ahne, wenn es mal wirklich losgehen würde, so wie es schon einmal kurz losgegangen ist, jedoch auseinandergedriftet ist. In Unverständnis, in Enttäuschung und Schweigen und in peinlich berührten Ausflüchten und Verteidigungen. In einem Schachern um kleine Brocken und dem Verlust des Wesentlichen.

So bin ich an mir selbst verzweifelt, an meiner Unzulänglichkeit. Aber dies ist dass was hier auf dieser Welt passiert. Besungen von vielen anderen auch. So besingt es Rodriguez in seinem Lied „It Started Out So Nice“.

Sind diese niederwärts gehenden Enttäuschungen für uns Menschen gedacht und das Geahnte (das Wahre, dass sich nie vollständig ausdrücken kann) für die Obigen, deren Wesen uns unbekannt ist? Die Freuden und das Heilige werden uns (Selbst)Verlorenen vorenthalten, denn offensichtlich ist dieser Zauber nicht dazu gedacht, wahr zu werden – und tut er es doch, so fällt er nieder in den Staub und verwandelt sich in eine Kleinheit und in ein Nichts vor den Augen von uns Sc(huldigen) (hier: die aus dem Anthropos heraus abgetrennten Beobachter dessen was es heißt ein Mensch zu sein – der sich selbst betrachtende Anthropos). Was ist dies für ein seltsamer Prozess, wie eine Alchemie?

Die Alchemie des Sandes. Der Zerfall der magischen Momente und der Tiefen die mir ein Tor in eine Welt der Liebe und grenzenlosen gegenseitigen Verständnis und Freuden zeigen (ich bin in der Lage diese zu sehen), die aber dann an meinem anderen Wesen zu Sand zerbröseln. Was für ein Unsinniger schafft denjenigen der ahnt, aber nicht in seine Ahnung hinein kann. Was ist die Aufgabe desjenigen dessen Wesen das Nichts ist, der aber in der Lage ist die Träume der Wesentlichen, seinsbehafteten Heiligen zu erblicken. Was soll ich tun, wenn ich sehe was ich sein könnte aber nicht bin und niemals sein kann, was mir aber dennoch als viel wertvoller und wichtig in seiner Realisierung für diese Welt erscheint als dass was ich bin?

Mensch sein, traurig sein. Verlieren und damit dem teilhaftig werden, was sie ist: Thunder Perfect Mind

Zu allem Nein sagen, anstatt Ja zu sagen. Alles zu verneinen was nicht passt. Nichts anzunehmen was sich als zerbrechlich darstellt. Auf das warten, dass einfach passt ohne Beweise und Kämpfe.

Der Ritter erobert nichts mehr, denn es war schon immer absurd jemanden oder etwas zu erobern was einem nicht ohnehin schon gehört hat (zugehörig ist).

Ich bleibe dort sitzen wo ich bin und murmle vor mich hin: „Nichts“, „Nichts“, „Nichts“…

Die Ruhe und Stille des Lebens wird mich heilen.

And on this bed there lyeth a knight
His wound is bleeding day and night
By his bedside kneeleth a maid
And she weepeth both night and day
– Corpus Christi

In sich Selbst nach dem suchen, was das Gift in eine Heilung verwandelt.

Forever (Eternal Return – Momentum, Momentum, Momentum) – Chrono Cross, Chrono Trigger. Der Beobachter in der Schöpfung, der das anschaut was geschaffen wurde und die Lichter anzündet

All das fließt vorbei in mir wie ein Fluss und wie ein zauberhaftes Zusammenkommen der Einsichten und ich halte es fest und umarme es wie ein Geschenk dass ich erhalten habe, so wie diese Webseite ein solches Geschenk ist, dass mir zuteil wurde. Das ist alles die Theorie und das was ich mir selbst schenke. Das sind Ausflüchte und Sinnhaftigkeiten die ich mir selbst gebe. Es ist schön dass ich mich so ablenken und beschäftigen kann. Morgen geht mein Leben los und dann werde ich mit Menschen zusammenkommen und ich werde mit ihnen gemeinsam Erlebnisse teilen. Das ist dann das Leben dass ich in Gemeinsamkeit mit Anderen verbringe. Ich werde dort andere Fähigkeiten benötigen und andere Freuden haben als ich es hier verstehen kann. Aber was passiert mit unserer Welt? Wie können wir damit umgehen, dass die AI bald all unsere Erlebnisse beeinflussen wird. Die Welt von Morgen wird seltsam sein. Ich hoffe ich kann mich dort noch zuhause fühlen. Die Menschen geben zunehmend ihr Selbst ab. Während ich auf dem Weg bin und sein möchte mein Selbst zu finden, kommen sie alle zu mir und sagen: du warst schon gut wo du herkommst. Das Nichts ist der Ort an dem wir anderen uns nun auch hinbegeben werden. Ich bin immer auf einem anderen Weg als die Anderen. Wie ein Satyr und Windgeist der mich necken will, bewegt sich die Welt um mich herum und hat immer eine andere Haltung und Richtung als ich. Sehnsucht nach Licht und Sonne, nach Pflanzen und Bäumen, nach Regen und Wind. Das Pfeifen der Vögel und ihre Freude an den Hanfsamen die ich für sie auslege bereitet mir eine erfüllendere Befriedigung und Freude als die Welt der Zukunft in die wir uns bewegen.

Schreibe einen Kommentar

Deine E-Mail-Adresse wird nicht veröffentlicht. Erforderliche Felder sind mit * markiert.