04.12.2021

Die tatsächliche Nicht-Zugehörigkeit der Geliebten in der Traumwelt des Liebenden ist der eigentliche Quell für die Möglichkeit zur Liebe. Die Distanz muss eine Distanz in einer unmittelbaren Nähe zueinander, auf Augenhöhe, aber getrennt voneinander (jeder dem Anderen Raum gebend) sein.Denn wenn der Liebende sich völlig gehen lässt, ist er nicht bei ihr, sondern stößt sie in Wahrheit von sich weg und stürzt sich in seine Phantasie. Die Besessenheit von dieser Phantasie lässt den Liebenden in seiner Illusion ihr so unmittelbar nahe sein, dass sie als Ganzes aus seinem Blickfeld gerät. Er sieht nur noch ihre Füsse, ihre Hände, oder fühlt nur seine Sehnsucht nach Ihr in seiner Vorstellung.

Angesichts der möglichen Kränkung oder Abweisung trotzdem nicht außer sich zu sein; sondern im Gegenteil: ungerührt und stützend, aber ungetrübt vom Begehren und Grenzen niederreißen wollen.

Wenn alle Grenzen niedergerissen sind, so gibt es keine Möglichkeit mehr zum Wachstum und die gegenseitigen Eindeutigkeiten verschwimmen in einem flachen Teich, keinem tiefen Gewässer. All das was man sich über den Anderen als Objekt der Befriedigung vorstellen mag, bleibt seicht und träumerisch, wie ein friedvoller Hain den man sich eingerichtet hat. Würde man es sich anders in seiner Phantasie einrichten, so könnte man dies nicht lange aushalten, denn es würde einem erschöpfen und entkräften wilde Tauchgänge in eine unbekannte Welt zu unternehmen in denen es keinerlei Hoffnung auf wahres Erkennen gibt.

Eine Berührung zwischen zwei Menschen findet dort statt, wo es einen Widerstand gibt.

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